Leseproben

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...von Seite 73

Irgendwann hielten wir an einer kleinen Oase.
Die Sonne kam zum ersten Mal über die Berge und tauchte alles in ein wunderschönes Licht. Und wir eben auf unseren stolzen, kleinen Pferdchen. Man sah den Atem in der kalten Luft.
Das waren immer wieder starke Eindrü̈cke. Einfach so unterwegs zu sein und sich untereinander zu bewegen. Es war auch wiederum wie ein Tanz. Jeder nimmt immer wieder eine andere Position ein. Er steht so oder so zur Sonne. Er sitzt so oder so auf seinem Pferd. Aber im Grunde genommen gehö̈rt alles zusammen. Es ist alles nur ein Netz, das sich auf verschiedene Arten zusammenzieht oder erweitert. Aber jeder hat das Recht, ein Teil von diesem Netz zu sein. Jeder ist das Netz. Das kann man kaum beschreiben. Aber es lag ein totaler Stolz dahinter. Jeder hat irgendwie die totale Wü̈rde. Die Menschen, die Tiere, die Pflanzen.
Und irgendwann kam aus einem der baufälligen Häuser der Oase eben auch ein alter Mann. Wirklich wiederum wie Gott. Er fragte uns: „Wie gefällt es euch hier?“
Und wir: „Sehr gut.“
„Dann bleibt doch einfach hier.“
So ungefähr: Dann bleibt doch einfach in diesem Paradies. Lasst euch daraus nicht vertreiben.
Ich nahm es zuerst ziemlich wörtlich, was er gesagt hatte. Aber eigentlich sprach er total in diesen Symbolen: „Lasst es euch gut gehen. Lebt wohl.“ Solche Sachen. Und das ist dann immer ganz seltsam. So eine Begegnung zu haben. Aber sich dann trotzdem zu trennen. Wir ritten dann wirklich weiter und ließen diesen alten Mann in seiner Oase stehen. Das sind seltsame Gefühle teilweise.

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